michaela niederkircher
11 windows to my surroundings

ein projekt von michaela niederkircher im rahmen von stadt_potenziale 2013
11 plakate im stadtraum innsbruck / 16.04.2015 - 06.05.2015

Den „öffentlichen Raum“ nehmen die Menschen zu einem gewissen Grad als „privaten Raum“ wahr, und was sich in diesem „privaten“ öffentlichen Raum abspielt, ist für sie durchaus von Belang. Das lässt sich so verstehen, dass gerade der „öffentliche Raum“, vor allem der städtische, durch die intensive Nutzung desselbigen wie beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit, in der Freizeit, beim Einkauf... den Menschen nicht weniger vertraut erscheint, als ihre eigenen Privaträume – eine Wahrnehmungsverschiebung vom „öffentlichen Raum“ zum „privaten“ öffentlichen Raum, die durchaus im Einklang mit Sennetts These gesehen werden kann als Zerfall der Öffentlichkeit, deren Sphäre von der öffentlich gemachten Privatheit besetzt wird. (vgl. Dagmar Danko. Wenn die Kunst vor der Tür steht. kunsttexte.de. 2009)

 

In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts ist die öffentliche Sphäre zerstört; Ausdruck eines langen Prozesses, in dem der öffentliche Bereich zunehmend verfallen ist. Öffentlichkeit und Privatheit sind zwei gesellschaftliche Bereiche, deren Funktion und Leistung sich gegenseitig ausbalancieren müssen. Geht das Gleichgewicht verloren, so Sennett, geraten beide Bereiche in die Krise.

(vgl. SE Cultur, Gender, Body: Cultural Studies in der Erziehungswissenschaft, Rebhandl Nina, Schlembach Christopher, 2005)

 

 

Aus 11 verschiedenen Fenstern meiner Wohnung im urbanen Raum werden verschiedene Blickwinkel auf die unmittelbare Umgebung, sprich den städtischen Raum Innsbrucks zu unterschiedlichen Tages- Jahreszeiten, Lichtstimmungen... und während diverser Aktivitäten und Veranstaltungen wie Markttage, Events, Prozessionen etc. fotografiert. Gebäudeteile, Geschäfte, Nachbarn, Plätze, Verkehr, Haustiere, Stadtlandschaft...

Das Fenster als Übergang zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, dem draußen.

Die Stadt vom Fenster aus betrachten, die private Grenze überschreiten, die eigene und fremde Grenze des Gegenübers, des Außen. Der Fensterblick markiert Wendepunkte im persönlichen/gesellschaftlichen Leben. Aufenthaltsort des "Dazwischen"  einerseits noch im Schutz des privaten Raums andererseits bereits mit Blickrichtung in die Welt außerhalb.

Im Anschluss werden diese aus dem privaten Raum gewonnenen Ein- und Ausblicke auf die private sowie öffentliche Nachbarschaft gegenüber, unter-oberhalb, schräg gegenüber... in den „privaten“ öffentlichen Raum transportiert, in welchem sie als Plakate auf 11 Bushaltestellen in der nächsten und nähergelegenen Umgebung auftauchen. Der öffentliche Raum wird mit einem privaten, persönlichen, subjektiven Blickwinkel konfrontiert.

Im Fall dieser Plakatflächen handelt es sich um privaten Raum im „öffentlichen Raum“. Ihre Nutzung ist an Bedingungen geknüpft, sie gehören einem Unternehmen, das diesen privaten Raum im vermeintlich „öffentlichen Raum“ gegen Entgeld zur Verfügung stellt. Sprich die Mitteilung, Äußerung, Ankündigung, welche der Öffentlichkeit zukommen soll, kann auf legale Weise nur über Privatraum in den sogenannten „öffentlichen Raum“ transportiert werden. 

 

Ein Raum gilt als privat, wenn eine Person oder Gruppe als Eigentümer/in anerkannt und dieser das Recht zugesprochen wird, die entsprechenden Eintrittskriterien für diesen zu bestimmen. Ein Raum wird als öffentlich bezeichnet, wenn es keinen anerkannten Eigentümer/in gibt, welcher die entsprechenden Eintrittskriterien definiert. Die Legitimierung von Inklusion und Exklusion stehen im öffentlichen Raum stattdessen permanent zur Diskussion(vgl. Henaff & Strong 2001: 221)

 

Der umliegende städtische Raum wird mit einem privaten Blick auf seine Existenz konfrontiert. Die Frage nach der Trennung zwischen privat und öffentlich wird hinterfragt.

 

citylightplakate – haltestelle

 

Amraserstraße/Leipzigerplatz

Amraserstraße/Sillpark

Dreiheiligenstraße/König Laurin Allee

Egger Lienz Straße/ Fritz Konzert Straße

Erzherzog-Eugen Straße/Seb.Scheel-Straße

Hallerstraße/Coca Cola Fabrik

Innrain/Terminal

Innrain 32/Finanzamt

König Laurin Allee/Sillpark

Technikerstraße/Haltestelle Technik West

Weingartnerstraße/P. Brünnelweg


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