michaela niederkircher
Elke Krasny: Zwischen Zeiten

"Ich bin in den Spiegel geteten, ich war im Spiegel verschwunden, ich habe in die Zukunft gesehen, ich war einig mit mir … und ihre Hände werden begabt sein für die Güte, sie werden nach den höchsten aller Güter mit ihren schuldlosen Händen greifen, denn sie sollen nicht ewig, denn es sollen die Menschen nicht ewig, sie werden nicht ewig warten müssen …" Michaela Niederkichers Fotoarbeiten treffen auf Zitate aus Ingeborg Bachmanns "Malina": eine Begnung im Raum, ein Zwiegespräch zwischen den Worten und den Bildern.

In überraschender Größe treten sie einem entgegen, diese zwei Mädchen in ihrer geraden Haltung. Stolz sind sie und klar, fast provozierend kraftvoll beherrschen sie den Raum. Der Vordergrund rückt in den Vordergrund, plötzlich sind sie in der Präsenz angekommen, der Hintergrund verliert an Bedeutung. Eine der beiden blickt stolz in die Kamera, der Blick der anderen ist auf den Boden gerichtet. Jedoch, auch ihre Haltung drückt Selbstbewusstsein aus, sie mustert den Boden, ihr Körper ist aufrecht und sicher. Zwei Mädchen nehmen sich ihre Präsenz im Raum, Jetzt. Die Mädchen sind jenseits des Wartens, sie kennen keine lange Weile, sie sind angekommen, im Hier und im Jetzt, klar, stark, aufrecht, gerade.

Jenseits des Wartens gibt es einen "Eintritt ins Jetzt", wie es Michaela Niederkircher formuliert. Auf ihren Fotos versucht sie diesen Eintritt zu erahnen, zu antizipieren, zu dokumentieren, sie verbindet das Er-Warten mit den umgebenden Räumen und Menschen, verknüpft die Zeit mit der Achtung vor dem Jetzt.

Text: Elke Krasny

 

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